Lederlexikon

Anilinfärbung von Leder

Nach der Färbung mit Anilinfärbstoffen im Fass wird auf das Leder eine transparente, wasserlösliche Farbe aufgespritzt. Das ist gut fürs Leder und schön für das Auge des Betrachters. Denn auch hierbei bleiben all die schönen und natürlichen Eigenheiten der Haut sichtbar. Das offenporige Leder wird bei diesem Vorgang durchgefärbt, wobei die Struktur der Lederoberfläche erhalten bleibt. Das Produkt was aus diesem Prozess hervorgebracht wird, nennt man auch Anilinleder. Da es sich hier um ein Naturprodukt handelt, hat nicht jede einzelne Faser des Leders dieselben Eigenschaften und kann die Farbpigmente unter Umständen anders annehmen. Dadurch erhält man ein einzigartiges Produkt. Anilinleder besitzt u.a. folgende positive Eigenschaften:

  • Hohe Atmungsaktivität: Sehr gut geeignet für die Herstellung von Schuhen
  • Natürliches Aussehen und schöne Haptik: Die Struktur des Leders ist nach der Färbung immer noch sichtbar

Das Auftragen der löslichen Farbstoffe auf die Lederoberfläche bringt jedoch leider einen Nachteil mit sich: Das Anilinleder reagiert empfindlich auf Reibung oder Feuchtigkeit. Die hohe Saugfähigkeit des Materials macht es ebenfalls anfällig für Verschmutzungen. Umso wichtiger ist hier die richtige Lederpflege - so erhalten Sie ein langlebiges Produkt. Sie können auch eine Oberflächenimprägnierung verwenden, um Ihr Lederprodukt besser vor Flecken oder Nässe zu schützen oder Ausbleichen zu verhindern.

Äschern

Hier muss die Haut Haare lassen: Der Vorgang des Äscherns dient zur Vorbereitung des Leders auf die Gerbung. Hierbei wird das Rohmaterial von Haaren befreit und die Fettschicht reduziert. Die Haarentfernung kann übrigens auch mithilfe des “Schwödens” vorgenommen werden. Dabei wird eine Chemikalie auf die untere Seite des Leders gegeben, die die Haarwurzeln aus der Haut herauslöst. Die Haare selbst bleiben dabei erhalten und können ggfs. zur Weiterverarbeitung genutzt werden (Pelze, Felle, Wolle). Äschern ist z.B. als Vorbehandlung zur Fertigung von Möbel- oder Schuhleder notwendig. Der moderne Äscher arbeitet übrigens nicht mehr wie seine zünftigen Vorfahren mit Holzasche, sondern mit einem Mix aus Kalk, Schwefel und Natrium. Das ist schneller und vor allem gründlicher. Dabei werden die verhornte Oberhaut samt Haare entfernt, die Fettsubstanzen aus der Haut gelöst und die Fasern aufgelockert. Bereits in dieser Phase nimmt der Gerber jedes Exemplar genau unter die Lupe, untersucht es auf Schäden und sortiert die schönsten Häute für die weiteren Arbeitsschritte aus.

Budapester

Wikipedia schreibt: "Es ist nicht überliefert, woher die Bezeichnung Budapester stammt und wer sie zum ersten Mal verwendet hat. Bekannt ist nur, dass dieses Schuhmodell typische osteuropäische Merkmale aufweist (z.B. Lochungsmuster und Leistenform) und seit Ende des 19. Jahrhunderts in Budapest gefertigt wird. Vermutlich ist der Modellname auf den Ursprung des Schuhs in der ungarischen Metropole zurückzuführen. Dort nennt man diesen Schuhtyp Karlsbader." Diese Lochmusterung wird inzwischen modifiziert und vielseitig bei Accessoires genutzt. Die typischen Lochverzierungen an der Kappe oder am Schaft des Budapesters werden Broguing genannt. Eine linienförmige Verzierung der Schuhkappe wird oft auch als Rosette bezeichnet und stellt eine häufig verwendete ornamentale Lochverzierung dar. Die beim Budapester verwendete typische Lochung wird Lyralochung genannt. Dabei wird ein bestimmtes Muster angewandt: Meist folgen zwei kleine Löcher auf ein etwas größeres Loch. Generell werden Schuhe, die Zierlöcher besitzen, auch Brogues genannt.

Gerben

Frische Häute sind ein gefundenes Fressen für fäulniserregende Bakterien. Ihnen geht‘s zuerst ans Leder. Mittels Salz wird die Tierhaut zunächst entwässert. Möglichen Schmarotzern wird dadurch die Lebensgrundlage entzogen und der Verwesungsprozess gestoppt. Der eigentliche Gerbprozess hat in vorindustrieller Zeit gut und gern 3 Jahre gedauert. Modern ausgerüstete Gerbereien schaffen dies bereits in einer Woche. Der Gerbprozess ist vergleichbar mit dem einem Waschvorgang in der Waschmaschine. Das Gerbgut wird in rotierende Trommeln gesteckt, die mit Gerbmittellösungen gefüllt sind. Der Dreh dabei ist, dass der Gerbstoff sich durch die Rotation gleichmäßig in die Haut einarbeiten kann. So wird das Leder elastisch und geschmeidig.
Welche Art von Gerbmittel verwendet wurde, kann man mit einem Blick auf die Schnittkante des Leders feststellen. Vegetabile Gerbstoffe aus Rinden, Hölzern und Blättern hinterlassen helle Kanten. Bei der Chromgerbung mit Gerbstoffen aus Chromeisenstein sind die Kanten blau oder bläulich. Die Chrom-Pflanzen-Gerbung, auch Kombinationsgerbung genannt, färbt die Kanten grau. Nach dem Gerben legt der Gerber die Hände noch lange nicht in den Schoß. Jetzt müssen die Häute wieder einmal gründlich gewaschen und von den Gerbstoffen befreit werden. Danach geht es weiter: Es wird gewalkt, geglättet und gedehnt. Vor allem der letzte Arbeitsgang ist im Interesse des Gerbers - denn Leder wird nach Quadratmetern, nicht nach Gewicht bezahlt.

Glattleder

Oberbegriff für alle Lederarten, die auf der Narbenseite entstehen. Mit Narbenseite bezeichnet man beim Leder die genarbte, glatte Oberfläche, die zur Haarseite hin zeigt. Umgangssprachlich kann man die Narbenseite auch als Oberseite des Leders bezeichnen. Entgegen dem Wortsinn muss ein Glattleder sich jedoch nicht immer glatt anfühlen oder aussehen. Auch stark strukturierte Leder können als Glattleder gelten. Sie können glatt, strukturiert, genarbt, geprägt oder geschrumpft sein.

Handfärbung von Leder

Die Farbe wird mit Bürste, Plüsche, und viel Fingerspitzengefühl in das Leder einmassiert. Überflüssig zu sagen, dass dies die aufwändigste Methode ist, um Leder zu färben. Wichtig zu wissen ist, dass es die respektvollste Bearbeitungsmethode gegenüber dem Leder ist. Denn die mehr oder weniger unregelmäßig wirkende Handfärbung betont die einzigartige Struktur der Haut mit ihren individuellen Spuren und Narben. Handfärbung wird überwiegend von den Ledermanufakturen selbst praktiziert. Unter Kennern gilt sie als handwerklicher Ritterschlag.

Hirschleder

Kräftiges Wildleder, aus dem früher rustikale Trachtenmode wie z.B. Lederhosen gemacht wurde. Heute wird Hirschleder meist für modische Bekleidung verwendet, zum Beispiel als Hirschnappa. Auch Schuhwerk oder Handschuhe werden oft aus Hirschleder gefertigt, da das Material sehr robust und belastbar ist. Zum Hirschleder zählen u.a. die Leder von Reh, Hirsch, Elch und Ren. Von der Haptik her ist das Leder sehr weich und angenehm und bequem zu tragen. Hirschleder werden meist sämisch gegerbt, wobei meist Tran oder Fischöl genutzt werden. In Verbindung mit Sauerstoff wird durch Oxidation die Gerbung ausgelöst.

Lackleder

Leder von Rind, Kalb oder Ziege, das dünn mit Lack oder Folie beschichtet wurde und eine glänzende Oberfläche besitzt. Durch die Beschichtung ist das Lackleder meist narbenfrei und hat häufig eine glatte Struktur. Häufig wird Lackleder für Taschen und Schuhe verwendet und hat durch den Hochglanzeffekt einen hohen Wiedererkennungswert. Vorsicht ist jedoch im Umgang mit Lackleder geboten: Sie sind durch ihre glänzende Struktur besonders anfällig für Kratzer und Gebrauchsschäden. Eine Variation vom Lackleder ist das Knautschlackleder. Hierbei werden durch einen Prozess namens “Krispeln” Falten in die Lackoberfläche eingearbeitet. Lackleder bedürfen einer besonderen Pflege, da sie im Vergleich zu anderen Ledern empfindlicher sind. Öl- oder fetthaltige Pflegemittel dürfen hier nicht verwendet werden und können dem Material sogar Schaden zufügen. Zum Entfernen von Verschmutzungen kann Reinigungsbenzin verwendet werden - Prüfen Sie jedoch vor einer großflächigen Anwendung an einer unauffälligen Stelle die Materialverträglichkeit.

Nappaleder

Sammelbegriff für sehr weiches Glattleder aller Arten. Der Begriff Nappa leitet sich her vom Namen der kalifornischen Stadt Napa, wo das Bearbeitungsverfahren entwickelt wurde. Nappaleder ist meist chromgegerbt und ist nicht auf bestimmte Tierarten beschränkt. Da es sich bei der Bezeichnung Nappa nicht um einen klar definierten oder geschützten Begriff handelt, sollten Sie genau prüfen ob das jeweilige Produkt tatsächlich aus Nappaleder gefertigt wurde. Je nach Behandlung der Oberfläche werden verschiedene Begriffe für die Unterscheidung von Nappaleder verwendet. Als Anilinleder werden Nappaleder bezeichnet, deren Oberfläche mit löslichen Farbstoffen behandelt wurde. Wurden bei der Behandlung weniger Farbpigmente genutzt, spricht man von Semianilinleder.

Nubukleder

Festes, auf der Narbenseite leicht angeschliffenes Rinds- oder Kalbsleder mit samtiger, pfirsichhautartiger Haptik. Der Sammelbegriff für Leder mit samtiger Oberfläche oder wo die Fasern erkennbar sind, ist Rauleder - umgangssprachlich oft fälschlicherweise als Wildleder bezeichnet. Nubukleder, ebenso wie Veloursleder, ist eine Unterkategorie von Rauleder. Nubukleder ist von der Struktur her feiner als Veloursleder und wird auf der Oberfläche angeschliffen. Meist wird hier Kalbs- oder Rindshaut verwendet. Man kann das Nubuk einer Wachsbehandlung unterziehen und es somit wasserfest machen. Im Englischen gibt es den Begriff “Buckskin”, was übersetzt Wildleder bedeutet. Durch die Bearbeitung mit Schleifmitteln ähnelt das Nubuk dem Wildleder im Aussehen und wird dann als “new buck” bzw. “nubuck” bezeichnet. Daher stammt der Name Nubuk.

Pigmentfärbung von Leder

Dabei wird das Leder mit einer mehr oder weniger deckenden Farbschicht „lackiert“. Man unterscheidet Transparent-, Semi- und Vollfärbung. Leider verschwinden unter dem modisch bunten Farbmantel der Vollfärbung auch die charakteristischen Merkmale der Lederoberfläche. Deshalb werden manchmal künstliche Narben oder Strukturen aufgeprägt. Doch die Natur von echtem Leder lässt sich niemals überzeugend imitieren. Pigmentfärbung wird im Prinzip bei allen Lederqualitäten angewandt: Beim edlen Vollleder ebenso wie beim schlichten Spaltleder oder beim Lederfaserstoff. Wie bereits erwähnt, ist die Art der Färbung eine Frage der modischen Aussage. Doch Kenner benötigen nur wenige Handgriffe, um zu wissen, welche Lederqualität sich unter der kunterbunten Pigmentschicht verbirgt. Worauf Lederexperten besonders achten, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Rindbox

Vollnarbiges, sehr kräftiges Rindsleder für Schuhe und Lederwaren. Besonders leichtgewichtige Rindshäute werden für die Herstellung von Rindbox genutzt. Werden Kalbshäute benutzt, spricht man von Boxcalf oder Kalbbox. Diese Lederart wird nur wenig gefettet und nicht komplett durchgefärbt. Rindbox ist in glatter oder geprägter Ausführung erhältlich. Es ist sehr robust und trotzdem flexibel und wird daher gern zur Herstellung von Schuhen - insbesondere Arbeitsschuhe - verwendet.

Spalten

Aus eins mach zwei! Die Rohhaut wird horizontal in zwei Schichten getrennt beziehungsweise in unterschiedliche Qualitäten gespalten. Die hochwertige obere Schicht mit all den Narben und einzigartigen Spuren, die das Leben darauf hinterlassen hat, nennt man Vollleder. Die untere, narbenfreie Schicht ist das Spaltleder. Ohne den „Trick“ des Spaltens könnte die große Nachfrage nach echtem Leder nicht annähernd gedeckt werden.

Spalt-Leder

Spaltleder ist entweder farblich pigmentiert oder mit einer Folie von max. 0,15 mm Stärke kaschiert. Unter Spaltleder versteht man die Schichten unter dem Oberleder. Spaltleder besitzt immer eine glatte Oberfläche. Im Allgemeinen gilt Spaltleder als Leder zweiter Klasse, was in gewisser Weise unfair ist. Denn die Geschmäcker sind unterschiedlich. Viele Designer sehen in einem Material, an dem der Zahn der Zeit so deutlich seine Spuren hinterlassen hat, sogar eine Einschränkung ihrer kreativen Freiheit. Wie erkennt man Spaltleder? Knicken Sie das Leder: Im Licht kann man eine Veränderung der Oberflächenstruktur erkennen, die vergleichbar mit einer Orangenhaut ist. Der Orangenhauteffektverschwindet, sobald der Druck nachlässt.

Vollleder

In der Gerberei wird die Haut in zwei bis drei Schichten gespalten. Die obere Schicht nennt man Vollleder. Ein gutes Stück Vollleder ist wie ein Gemälde aus Narben und feinen Runzeln, die das Leben gezeichnet hat - ein Kunstwerk der Natur. Diese einzigartige Struktur ist das sicht- und fühlbare Qualitätsmerkmal des Vollleders, sie unbedingt zu erhalten, ist oberstes Gebot. Deshalb wird Vollleder fast ausschließlich mit transparenten Farben hand- oder anilingefärbt. Wie erkennt man Vollleder? Ein Stück Leder wölben, von unten dagegen drücken und unter einer Leuchte betrachten. Die Druckstelle erscheint im Vergleich zum Umfeld heller und die natürliche Oberflächenstruktur wird deutlich sichtbar, ohne sich dabei zu verändern bzw. zu verziehen. Das nennt man Pull-up-Effekt und der ist ein sicheres Zeichen für Vollleder.

Veloursleder

Auch Suede genannt. Sammelbegriff für alle auf der Fleischseite angeschliffenen Lederarten (im Gegensatz zu Nubukleder, welches auf der Narbenseite angeschliffen wird). Veloursleder ist in der Fachsprache ein Rauleder, das aus dem Fleischspalt (unterer Spalt) gefertigt wird. Im Vergleich zum Nubukleder besitzt Velours einen gröberen Flor und wird u.a. für die Herstellung von Polstermöbeln oder Schuhen genutzt. Durch die längeren Lederfasern sollte bei der Pflege von Veloursleder darauf geachtet werden, es nach der Behandlung mit Pflegemitteln aufzurauhen. Dafür gibt es spezielle Lederbürsten, die das Material schonen. Reinigen Sie Veloursleder immer “mit dem Strich” - so wird die Verschmutzung gründlich entfernt und nicht versehentlich in das Material hinein gebürstet. Um z.B. Schuhe aus Veloursleder vor Feuchtigkeit zu schützen, empfiehlt sich eine Imprägnierung. Da das Leder sehr saugfähig ist, arbeitet man am besten mit einem Imprägnierspray - so können Sie den Schutz besser gleichmäßig auftragen.

Weichen

Was durch Salz und Trocknung hart und haltbar geworden ist, wird durch Wasserbäder in rotierenden Fässern wieder weich und füllig. Beim Weichen in der sogenannten Wasserwerkstatt wird das Konservierungssalz ausgewaschen, die Häute erhalten ihre Fülle, Geschmeidigkeit und natürliche Feuchtigkeit zurück. Rohhäute werden in diesem Prozess von Verschmutzungen befreit und bereitet die Haut auf die nachfolgenden Bearbeitungsschritte vor. Oftmals wird der Prozess des Weichens in zwei Schritte aufgeteilt: die Vorweiche und die Nachweiche. Der auf die Weiche folgende Schritt ist das Äschern.

Wildleder

Sammelbegriff für anschmiegsames, samtiges Leder aus den Häuten von Wildtieren wie Hirsch, Elch, Reh, Gämsen, Antilopen etc. Insgesamt zählen 50 Wildarten zur Familie der Wildtiere. Heutzutage werden jedoch meist keine wildelebenden Tiere für die Herstellung von Wildleder verwendet, sondern Tiere aus Gehegehaltung. Häufig wird Wildleder auch als Veloursleder bezeichnet. Es entsteht durch das Anschleifen der Innenseite (Hautseite) des Leders.